(Städte)tourismus in Österreich, Deutschland und Schweiz 2018 – Stadt schlägt Land

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Die Anzahl der Übernachtungen im Jahr 2018 wird in Österreich (um ca. 3,5 %) in Deutschland (um ca. 4 %), als auch in der Schweiz (ca. 3,39%) wachsen. Welche Erkenntnisse können für die DACH Länder, insbesondere dort für die wichtigsten Märkte, gezogen werden?

Die Tourismusmärkte Österreich,Deutschland und der Schweiz zu vergleichen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Nichtsdestotrotz  sich aus der Tourismusentwicklung des gesamten vergangenen Jahres 2018 einiges an Gemeinsamkeiten erkennen (die übrigens auch für viele andere europäische Kerntourismusmärkte gelten).

Zu Beginn ein kurzer Tour d’Horizon einiger Kennzahlen basierend auf Oktober bzw. November Daten mit ausgewählten interessanten Fakten zu beiden Ländern:

Deutschland 2018 (01-10/2018):

  • Hochgerechnet werden die Übernachtungen 2018 einen neuerlichen Rekordwert von ca. 475-480 Millionen erreichen, bis Ende Oktober wurden bereits 417 Mio. gezählt (im Vergleich zu 401 Mio. im Vorjahr).
  • Die relevantesten Herkunftsmärkte sind im gesamten Land auf Wachstumskurs getrimmt. Die Übernachtungen (bundesweit) aus Spanien steigen um 6 %, die aus Italien um 4 % und die aus dem eigenen, letztendlich deutlich wichtigsten Land, um ca. 4 %. Wachstumschampion werden die benachbarten Polen mit fast 10 % Wachstum sein. Der Marktanteil Deutscher Gäste stieg genau im Durschnitt (Marktanteil 81,85 %)
  • Die aus touristischer Sicht größten Städte werden das bundesweite Wachstum wieder erheblich übertreffen. Der größte städtische Markt Berlin wird um 5 % wachsen (ähnlich wie in allen Städten tragen die großen Herkunftsmärkte wie USA, Italien, Spanien, Niederlande etc. jeweils mindestens mit dem Durchschnittswert von 4% zum Wachstum bei). München beispielsweise wird um ca. 9 % wachsen, wobei das Wachstum gleichermaßen aus dem Aus- und Inland kommt, die Anzahl der chinesischen Übernachtungen wächst um ca. 20 %).
  • Von den fünf übernachtungsstärksten Bundesländern verzeichneten nur Bayern (4,5%) und Schleswig-Holstein (15,9%; hohes Wachstum an statistisch erfassten Betten, Qualitäts- und Vermarktungsoffensive des Bundeslandes etc.) ein überdurchschnittliches Wachstum, hingegen wuchsen die Übernachtungszahlen in Hessen (2,1 %) und Niedersachsen (3,4 %) knapp unterdurchschnittlich. Die Nächtigungszahlen in Nordrhein-Westfalen (0,6%) stiegen im Jahr 2018 nur marginal an.

Österreich 2018 (01-11/2018):

  • Von Januar bis November sind Übernachtungen um 3,5 % gewachsen. Abhängig davon wie sich der Dezember entwickelt hat, sind die 150 Mio. Übernachtungen pro Jahr in nicht mehr allzu weiter Griffweite (vergleiche dazu Schweiz ca. 38 Mio. Übernachtungen)
  • Landesweit wird der Anteil ausländischer Gäste stärker steigen als der Anteil inländischer Gäste. 74 % der Übernachtungen kommen von Ausländern. Insbesondere erfreulich: der für Österreich so wichtige Tourismusmotor Deutschland wird mit 4 % stärker wachsen als der Durchschnitt, die Österreicher selbst wachsen lediglich um 2 %.
  • Spitzenreiter im Wachstum wird wiederum Wien mit mehr als 5 % sein. Wien liegt nach wie vor im Trend, Hotelopenings und auch neue Betreiber haben dem Markt gutgetan und wesentlich zum Wachstum beigetragen. Die EU-Ratspräsidentschaft im 2. Halbjahr war das Sahnehäubchen. Erfreulich war das Wachstum aus den für Wien wichtigsten Kernmärkten Italien, Spanien, USA deutlich über dem Durchschnitt. Wenn sich das Wachstum aus China (15 %) so fortsetzen wird, werden Gäste aus China bald auf Platz 3 oder 4 im Ranking der wichtigsten Herkunftsmärkte vordringen.
  • Tourismus- „Kaiser“ Tirol mit seinen 33 % Marktanteil wird genau im Schnitt, das Bundesland Salzburg mit seinem 20 % Marktanteil wird mit ca. 4 % überdurchschnittlich wachsen. Die Stadt Salzburg wächst ausnahmsweise etwas unterdurchschnittlich (2,5 %), die Landeshauptstadt Innsbruck dafür mit fast 6 % enorm.

Schweiz 2018 (01-10/2018):

  • Auch die Schweiz verzeichnet ein Nächtigungsplus im Jahr 2018. Bis Oktober konnte ein 2,54%iger Anstieg an Übernachtungen verbucht werden. Die Eidgenossen bilden damit das Schlusslicht im Vergleich der DACH-Länder, bezogen auf das prozentuelle Wachstum. In Summe werden im Jahr 2018 vermutlich rund 38 Millionen Übernachtungen verbucht werden.
  • Ein Blick auf den Gästemix verrät, dass nach wie vor viele Schweizer/innen den Tourismusmarkt in der Schweiz beleben (Marktanteil 45%; Wachstum 2,54%).
  • Die übrigen fünf übernachtungsstärksten Nationen entwickelten sich ebenso positiv, Deutschland (3,21%), USA (9,37%), Vereinigtes Königreich (2,3%), China (ohne Hongkong) (7,28%) und Frankreich (2,42%).
  • Der deutsche Quellmarkt ist, wie in Österreich als auch in Deutschland selbst, ein starker Treiber des Tourismus, nicht nur in absoluten Zahlen sondern auch in prozentueller Hinsicht; weiters ist der enorme Nächtigungsanstieg der USA mitverantwortlich für die positive Entwicklung in der Schweiz.
  • Simultan zu den anderen DACH-Ländern wachsen auch in der Schweiz die Städte überdurchschnittlich, Zürich (5,74%), Bern (4,55%), Luzern (2,9%), Basel (4,97%) und Genf (5,03%). Klarer Verlierer im Kanton-Rennen ist das Tessin mit -7,82% an Übernachtungen.

Natürlich gibt es, wie überall, auch weniger starkes Wachstum, Stagnation oder Rückgang zu beobachten, allerdings halten sich die Minus in der Statistik in Grenzen und sind häufig in weniger starken Tourismusdestinationen zu beobachten.

Österreich hat mit seiner neuen Regierung ein eigenes Ministerium für Tourismus und Nachhaltigkeit erhalten, die Umsatzsteuer wurde im Oktober des vergangenen Jahres wieder von 13 auf 10 % reduziert.

Welche gemeinsamen Entwicklungen waren in den DACH-Ländern zu erkennen? Warum lohnt sich der Blick auf den großen Statistik-Bogen?

  • Deutschland taugt nach wie vor als Motor für Wachstum in der Tourismus-Branche, im eigenen Land wie auch vielen Nachbarländern, z.B. Österreich und der Schweiz
  • Die großen Tourismus-Metropolen wachsen stärker als der Durchschnitt, in Summe konnten vor allem schwache Destinationen mit dem vierprozentigen Wachstum nicht mithalten und werden weiter Terrain verlieren.
  • Die Hotellerie ist in einer globalen Wachstumsbranche zu Hause. Global wächst der Tourismus jährlich um die 5 %, Ankünfte in Europa wachsen halb so stark da sich Asien auf der Überholspur befindet. Europa bleibt Tourismusdestination Nummer 1. Wenn es keine globalen Krisen geben sollte, wird uns das Wachstum über das nächste Jahrzehnt weiter begleiten. Das heißt, wir brauchen neue Betten, aber auch neue Tourismus-Strategien und Beratung im Bereich Hotellerie.
  • Das steigende Volumen wird zu steigenden Preisen und höherer Auslastung in den starken Destinationen bei Hotelbetrieben in guten Lagen führen (Wien, München, Berlin, Zürich, Genf etc.). Darüber hinaus wird die Verlängerung der Reisesaisonen aufgrund voller Hotels in der Hauptsaison zur Verlängerung der Saisonen bzw. zu starkem Ganzjahrestourismus führen.
  • In Städten / Destinationen mit hoher Tourismus-Intensität war „Overtourism“ das Stichwort des Jahres – Tourismus als Fluch und Segen zugleich. Wo dieser anfängt ist schwierig zu definieren – in der Gesamtheit sind in Deutschland, der Schweiz und Österreich noch wenige Plätze davon betroffen. Tourismus-Manager und Politik werden gefordert sein, die zunehmende Sensibilisierung der Bewohner und Veränderung der Innenstädte (z.B. Salzburg, Hallstatt etc.) rechtzeitig aufzugreifen um Tourismusfeindlichkeit zu verhindern.
  • Überfüllte Prime-Destinationen werden mittel- bis langfristig zu einem Ausbreiten der globalen Tourismusströme einerseits auf B- und C Destinationen, aber auch auf Saisonrandzeiten mit sich bringen.

Österreich:

Deutschland:

Schweiz:

Artikel von Jan Hein Simons / Martin Schaffer